©Fotos von M. Wagner, R. Fankhauser, M. Ischer aus vergangenen Hofwiler Produktionen

Mozart al dente (2016) und Dido and Aeneas (2018)

DAS PROJEKT

Die „Winterreise“ von Franz Schubert und Wilhelm Müller

Als Franz Schubert (1797-1828) ein Jahr vor seinem frühen Tod seinen Freunden einen „Zyklus schauerlicher Lieder“ vorsang, klangen Musik und Text so fremd, dass die Freunde, verblüfft ob der düsteren Stimmung, den Kopf schüttelten. Die Lieder, tief an existenzielle Fragen rührend, bewegten seine Zeitgenossen. Sie tun es so, dass sie noch heute, 200 Jahre später, Seinszustände des Menschen abbilden: Wo ist mein Platz im Leben, in der Gesellschaft, in der politischen Situation, wo gehöre ich dazu, wem vertraue ich und wer ist mein Freund? Oder überhaupt, kann, und soll, ich Bindungen eingehen oder bleibe ich sowieso allein auf der Wanderung durch das Leben?
Indem die Lieder das Sänger-Ich im Spiegel des „Anderen“ betrachten, dasjenige des frühen 19. Jahrhunderts, aber eben genauso dasjenige des 21. Jahrhunderts, sind deren Themen heute aktuell. „Winter“ ist immer – die Metapher zielt genau, „Reisen“ kann man vielgestaltig – das Bild bietet sich für Manches an, wendet man den Blick diesen Fragen zu.

 
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Wir wollen genau das mittels musikalisch-szenischer Arbeit mit den Jugendlichen des Gymnasiums Hofwil tun. Wir fragen mit den jungen Menschen, was Winterreise heute mit uns zu tun hat. Wo stehe ich in meinem Leben, in meiner Lebenswelt oder in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation? Was kann ich tun, wie kann ich handeln, kann ich es überhaupt? Soll ich? Gibt es auch einen Sommer?
Wir fragen nach auf musikalische, poetische und auch handlungsbezogene Art.

 

DIE MITWIRKENDEN

Im Frühling 2020 kommt die Winterreise mit über 250 Beteiligten zur Aufführung. Alle Beteiligten, ob als Solist*in in kleinen Ensembles oder in den zwei Chören mitwirkend, als Tänzer*in, Orchester- und Bandspielende*r, als Theaterspielende*r sind Schüler*innen des Gymnasiums Hofwil.


Die 14 Gesangsrollen, die Tanzgruppe von 23 Frauen und Männern, der freiwillige Hofwilchor von 150 Personen und der Klassenchor mit 80 Sängeri*nnen, die 35 im Orchester und 9 in der Band vereinigten Musiker*innen und die 5 in der Kostümgruppe engagierten, haben sich interessiert und bereit erklärt, an der Aufführung mitzuwirken.

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DIE MUSIK

Wir spielen Schuberts Musik in Fassungen für klassisches Orchester (arr. M. Matesic) und Chöre, (arr. T. Hanelt, bzw. G. Meyer) und in den Originalfassungen für Klavier und Solostimme von Schubert selber. Diese Musiken kontrastieren wir durch zwei neue Arrangements für verschiedene Formationen sowie durch Musiken aus dem Popularbereich, welche das Winterreisethema auf ihre eigene Weise behandeln.

 

DAS THEATER

9 sprechende Theaterspielende treiben eine Handlung voran und formulieren heutige Haltungen und Fragen im Zusammenhang mit der winterlichen Reise. Sie befragen den bestehenden Müllerschen Text, formulieren in poetischer wie Theater bezogener Sprache ihre eigenen Anliegen an die Welt.

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DAS BILD


Das Bühnenbild und die Saaleinrichtung entstehen unter der Leitung des erfahrenen Theaterleiters Christoph Hebing (Junge Bühne Bern). Es wird ein modulares Bühnenbild mit einer beweglichen Hütte als Spielort gebaut. Inner- und ausserhalb der Hütte wird gespielt und gesungen, das temporär nicht Sichtbare wird per Handkamera auf überraschend auftauchende Projektionsflächen projeziert.

Den Kostümbau für die Chöre, Soli und Theater Spielenden begleitet die Szenografin Christiane Jacob (Theater Solothurn).